Dienstag, 7. Oktober 2014

24. Tag: Übers Schönegg (2390m) zum Riemannhaus

Heute lasse ich mich mal überraschen: Alles, was ich morgens weiß, ist, dass es zum Riemannhaus (2177 m)  im Steinernen Meer geht. Welchen Weg wir dabei nehmen, weiß ich nicht.

Wir, das sind Barbara und Walter, Greti, Silvia, Christina, Hermann, der Hund Barnie und ich, 7 Österreicher und ein Nordlicht.

Morgens um 8:00 Uhr geht es los. Nebel liegt über Maria Alm. Mit dem Auto geht es zunächst  zum Parkplatz Sanden auf 1150m. Die Straße dorthin ist zwar relativ schmal, aber trotzdem vernünftig ausgebaut. Hier liegt der Startpunkt für nahezu alle Touren zum Riemannhaus und ins Steinerne Meer.

Das lange Wochenende in Deutschland und das prognostizierte Traumwetter zeigen sich auch hier auf dem Parkplatz. Halb Bayern scheint hier bereits zu parken.

Da ich mit 7 Maria Almern auf den Berg gehe, muss ich nicht den beschilderten direkten Weg zum Riemannhaus benutzen, sondern gelange über einen anderen Weg dorthin.

Den genauen Einstieg und die ganz genaue Route zum "Nachwandern" kann und werde ich hier nicht beschreiben. Den Weg, den wir genommen haben, sollte man alleine meiner Meinung nach nicht wählen, und ich habe nur sehr wenige Markierungen gesehen. Zum Nachahmen würde ich diese Tour nur empfehlen, wenn man einen Einheimischen oder Bergführer dabei hat, der den Weg kennt.

Außerdem sollte man körperlich fit, schwindelfrei und absolut trittsicher sein.

Vom Parkplatz Sanden aus wählt Barbara, die mit Barnie vorweggeht, einen schmalen Jägersteig durch den Wald, der sich "Tenn Riedel" nennt.

Der Steig durch den Wald bis zur Tenn-Jagdhütte ist zwar schmal, aber ein Spaziergang im Vergleich zu dem, was nun folgt:

Fast drei Stunden lang geht es von nun an steil bergan. Zunächst über Grasflächen und durch den Wald, später dann durch Latschengebiet. Immer wieder sind Rinnen zu überqueren, teilweise geht es auf allen Vieren über Gestein nach oben. Wer wissen möchte, wie sich das anfühlt, sollte einmal 3 Stunden lang Treppensteigen, und ich spreche von einer steilen Treppe...

Immer wieder setzen wir ein Fuß vor den anderen, rechts von uns der Abgrund. Ja, hier geht es wirklich steil bergab und Schwindelfreiheit ist ein Muss.

In einigen Rinnen liegen kleine Kiesel und Schotter, da heißt es: Keinen Stein lostreten, um die anderen Mitwanderer nicht zu gefährden, aber auch nicht ausrutschen und gen Tal fallen. Da geht der Herzschlag nicht nur wegen der Anstrengung schneller.

Sehr viele Fotos habe ich auf dem Weg nicht gemacht. Ich wollte nicht, dass meine Wanderstöcke sich verabschieden und ein permanentes Gehen war besser als ein ständiges Stehenbleiben und Fotos schießen.

Auf den Grasflächen ist es ein wenig wie Gehen im Trance, Schritt für Schritt, Meter für Meter, arbeiten wir uns hoch.

Die erste Pause machen wir knapp oberhalb der Wolken. Hier oben scheint bereits die Sonne und gibt den Blick auf unzählige Berge ringsum frei. So großartig und jede Anstrengung bereits jetzt wert!

Alles im Blick
 Ein Wolkenmeer liegt über dem Tal - und wir sind in der Sonne!


Ein Blick zurück auf den Aufstiegsweg...


So nach und nach wurde es ganz schön steinig!


So steil geht es 3 Stunden lang bergauf!



Auf der Grasflanke rechts "neben" uns entdecken wir eine Gruppe Gämsen, die in der Sonne grasen und dösen. Wer ganz genau hinschaut, kann die Tiere auf dem Bild unten erkennen:



Dann sind wir endlich oben: auf dem Schönegg auf 2390 m! Nach dem schweißtreibenden Aufstieg muss jetzt schnell die Jacke aus dem Rucksack raus. Trotz der Sonne weht uns hier oben der Wind ziemlich kühl um die Nase.



Diese Rast in der Sonne haben wir uns wirklich verdient! Bis auf ein Männerdoppel - einer davon war von Kopf bis Fuß in Mammut gekleidet, ein Produkttester?? -  sind wir ganz alleine auf dem Berg, während sich auf der Schönfeldspitze und dem Sommerstein viele Menschen tummeln. Danke Barbara, für diesen gut gewählten Aussichtsberg, den wir fast für uns hatten!


Meine persönliche "Wärmflasche" auf dem Berg: Wer krault wird auch gewärmt, danke mein Barnie!
Und das, obwohl ich kein Leckerli für ihn dabei hatte!


Blick auf die Schönfeldspitze. Da werde ich irgendwann auch mal draufkraxeln!
Diese Tour hat "Lust auf mehr" gemacht!

Da hätten wir doch fast das obligatorische Gipfelfoto vergessen!!


Noch lache ich...

Das Lachen vergeht ein wenig beim Abstieg in Richtung Riemannhaus an der Nordseite des Berges. Wer hatte eigentlich nun die Idee, diese steile und steinige "Abkürzung" zu wählen? Und das, obwohl der Walter doch die Definition von "Abkürzung" parat gehabt hätte...

Bergab geht es ziemlich steil, es darf geklettert werden. Die Steine sind mit einer dünnen Reif- bzw. Eisschicht überzogen. Der kalte Wind leistet hier ganze Arbeit...

Greti hat natürlich ihre Handschuhe griffbereit - daran erkennt man den echten Bergfex - wir anderen holen uns lieber kalte Finger - und ich ein kaltes Hinterteil - Zitat: Hach, am Po ist das ja auch kalt! , sehr sinnig... - weil ich einen optimalen Tritt entdecke, den ich nur erreiche, indem ich mich mal kurz auf so ein Steinchen setze.

Überall glänzende = mit Eis überzogene Steine...

Wir sind froh, bald wieder in der Sonne in Richtung Riemannhaus gehen zu können. Ob Barnie auch kalte Pfoten hatte?

Da ich die Menschenmassen auf dem Sommerstein schon wie Ameisen von oben gesehen hatte, reizt es mich nicht so sehr, heute auch noch den Sommerstein zu besteigen.

Stattdessen geht es direkt zum Riemannhaus. Die Terrasse ist gut gefüllt, für uns ist nur drinnen Platz, was sich aber wenig später als äußerst praktisch erweisen sollte, da kurze Zeit später die Sonne weg war und es draußen eisig kalt wurde...



Bei heißem Suppentopf, Nudelsuppe, Schinkennudeln, Nudeln Bolognaise und Kaiserschmarrn wärmen und stärken wir uns nach diesem Gipfelsieg.

Der ein oder andere Einheimische und auch der Hüttenwirt gesellen sich noch zu uns, und es wird eine lustige Runde. Am späten Nachmittag ist es Zeit aufzubrechen. Wie im Gänsemarsch geht es mit den anderen über den Normalweg bergab.

Ich bin diesen Weg bisher ja nur bei der Wallfahrt im Dunkeln hinaufgegangen. Jetzt also im Hellen bergab...

Treppenstufen, teilweise betoniert, teilweise in den Stein gehauen und Drahtseile helfen beim Abstieg. So manches Mal geht es neben dem Weg ziemlich steil bergab, aber wir haben das Ziel unten bereits im Blick...

So geht es also bergab...
 Dort oben waren wir am Mittag: Schönegg!

Am Ende geht es über eine Forststraße bergab in Richtung Parkplatz. Da heißt es noch einmal aufpassen und nicht auf den kleinen Kieselsteinen ausrutschen. Die drei Herren, die direkt hinter mir laufen und ständig rutschen, werden von mir mit einem bösen Blick bedacht, nachdem ein Kommentar nicht ausgereicht hat, sie ein wenig auf Abstand zu halten. Ich möchte nicht fallen, weil die Herren nicht vorsichtig gehen, ausrutschen und mich umreißen.

"Ich fall ja weich!", nein, das fand ich nicht so witzig...

Ein letzter Blick zurück:


Am Ende der Tour zeigt mein Runkeeper folgendes an:

7,92 km
6 Stunden 20 Gehzeit
1686 Kalorien
1596 Höhenmeter bergauf


Mein persönliches Fazit: Ein wundervoller Tag, eine wundervolle Tour mit tollen Mitwanderern!

Danke, dass ich mitgehen durfte!

Und danke für diese wundervollen Fotos:


Über den Wolken







Beim Abstieg in der Sonne





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